Extragroße Leistung

Ich hatte in einem der angeblich größten Möbelhäuser Europas vor einiger Zeit einen Tisch und vier dazugehörige Stühle gekauft. Den Tisch konnte ich gleich mitnehmen, die Stühle würden noch geliefert und ich dann benachrichtigt. So auch kurze Zeit später geschehen, die vier Stühle können abgeholt werden, hieß es.

Ich schwinge mich in mein praktisches Kombigefährt und fahre früh los, denn an diesem Tag sollte ich genau um 12:00 Uhr zum Arbeiten anfangen. Ohne Frühstück stehe ich schon kurz nach 10:30 an der Kasse, bezahle und nehme meinen Abholschein für das Lager entgegen. Damit gehe ich dann den weiten Weg zu ebenjenem Lager und reiche den Schein dort einem beschäftigt wirkenden Mitarbeiter. „Jawohl, sofort“, bestätigt er und verschwindet. Ich freue mich, dass alles so zügig klappt, so kann ich auf dem Weg zur Arbeit noch irgendwo einen Happen zu mir nehmen. Vor mir werden zunächst noch einige Kunden mit ihren Waren bestückt, die schon vor mir warteten. Und nach einiger Zeit auch die, die erst nach mir kamen. Naja, ich denke mir noch nichts dabei, halte aber dennoch meine Uhr im Auge. Als ich schon mehr als 20 Minuten vor der Ausgabe warte, frage ich zum ersten mal nach. Bei einem Kollegen des ersten Mannes. „Ja ja, die Stühle sind ganz hinten, das dauert eben ein wenig!“ Ah, ok. Hm, gut. Ich warte weiter. Nach weiteren 20 Minuten frage ich doch nochmal mit einem dezenten Hinweis darauf, dass ich zur Arbeit muss und darauf, dass ich schon 40 Minuten hier stehe und warte. Wieder erhalte ich eine ähnliche Antwort. Es sei eben viel los, ich bräuchte eben etwas Geduld. Nach einer weiteren viertel Stunde sage ich, dass ich jetzt gehen müsse, ob die Stühle denn jetzt noch kämen. Ja, einen Moment noch, und tatsächlich, jetzt werden sie herbeigerollt. Na super. Jetzt noch schnell eingeladen nd losgefahren. Ich rufe schnell in der Arbeit an und erkläre, warum ich zu spät kommen werde, kaufe mir beim Bäcker noch ein großes Sandwich, das ich dann in unseren Kühlschrank lege. Nach zwei Stunden Arbeit hält mein Magen es einfach nicht mehr aus. Ich gehe in die Küche und – und muss tatsächlich sehen, dass ein Kollegenschw… mein Sandwich geklaut hat!!!! Das ist zu viel! Selten, aber jetzt raste ich doch fast aus und durchforste mit Mordgedanken die Pausenräume. Aber der Dieb ist verschwunden.

Und doch habe ich den Tag überlebt. Durch Madame Lilas Post bin ich an diese Geschichte erinnert worden, denn eine Woche nach diesem Vorfall erhalte ich ein Schreiben dieses Möbelhauses mit der Nachfrage, wie ich denn mit dem Service zufrieden gewesen sei. Nicht meine Art, solche XXL-Fragebögen auszufüllen, diesmal aber nehme ich es mir heraus und erläutere, sogar unter Beigabe eines Extrablattes, diesen Tag mit den Folgen für mich, die aus dem miserablen Service resultierten. Und was passierte: löblich löblich: ich erhalte einen 50,- Euro Gutschein! Das hat doch tatsächlich wieder meinen schmerzlichen Hunger nachträglich gemildert!

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