Geschmack

Ich lese von den Erlebnissen des Malers Klingsor, lese, wie er seinen letzten Sommer zubringt. Vorhin ging er mit einer kleinen Gesellschaft auf einen kleinen Berg hinauf, in ein kleines Dorf in welchem sie alle zu Speis und Trank empfangen wurden. Gastgeberin war eine junge Frau, die Klingsor in sich aufnahm um sie später malen zu können. Er beschrieb sie als Göttin, die mit ihrer so weißen Haut, dem feurig roten Kleid und ihren schwarzen Haaren sehr sanft und doch kräftig erschien.

Kaum hatte ich das gelesen, fühle ich winterliche Wärme und schmecke weiches Butterbrot mit weißem Speck. Einen Moment verwundert, weiß ich dann doch gleich, woher das kommt: als Kind hatte ich Schneewittchen gelesen und dazu ein ebensolches Brot gegessen. Gleich zu Anfang des Märchens beschreibt genau diese Farbzusammenstellung das neu geborene Kind der Königin. Dieser Geschmack und dieses gelesene Bild haben sich einfach miteinander abgespeichert und wurden jetzt wieder in Gemeinsamkeit abgerufen.

Eine andere solche Korrelation trage ich auch noch in mir. Wobei, wahrscheinlich sind es viele mehr, nur fällt mir gerade noch eben diese hier ein: wenn ich den Comic-Hulk sehe, dann schmecke ich immer gleich weiße Schokolade. Als ich damals zum ersten Mal dieses Comic gelesen hatte, kam ich auch zum ersten Mal in den Genuss weißer Schokolade.

Bemerkenswert finde ich dabei nicht nur das Zusammenhängen zweier Sinneserfahrungen, sondern eher noch die Fähigkeit unseres Gehirnes, einen Geschmack zu simulieren, der ja sonst nur als von außen aufnehmbar erfahren wird. Gefühle kommen sowieso von „innen“, da ist die Verwunderung über das Nachempfinden nicht so groß. Dass ich aber Speck auf der Zunge schmecke, wo nichts außer Spucke ist, das begeistert mich!

Ein Gedanke zu „Geschmack

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