Halloween – Süßes und Saures

Dieses Jahr ist mein Sohn mit seinen Eltern und einer Freundin zusammen um die Häuser gezogen, um Süßes einzusammeln. Der räuberische Jack Sparrow war er, seine Freundin eine ihm zur Seite stehende Zauberin.

Ich war also dabei und alles fing damit an, dass wir durch die bereits dunklen Straßen bis zu dem Treffpunkt liefen, an dem die zweier-Gang zusammenkommen sollte. Er wurde von Passanten meist beschmunzelt, wo er doch so gefährlich sein wollte. Jeder Passant brachte ihn daher dazu, seine Grimasse nochmal neu zu üben, noch böser zu schauen und auch unterschiedliche Geräusche übte er dazu. grrrr, aaahhhrgghh, kchchchch. Endlich kam aber jemand, eine Katze, die offensichtlich sehr eingeschüchtert war, und das ohne sein Zutun, einfach so raste sie vor uns auf dem Gehweg von einer zur anderen Seite, raste schnell mal auf die Straße, ein Auto bremste, sie wieder zurück auf das Pflaster. Die pechschwarze Katze konnte sich nicht beruhigen. Sie rannte wieder auf die Straße, ein Auto kam, ein Knallgeräusch war zu hören und ich hatte gleich meinen ersten Halloween-Schock. Ich schaute genauer hin, wollte sehen, wie es der Katze ging, aber ich konnte sie nicht sehen. Vielleicht, ja hoffentlich, war der Aufprall nicht schlimm und sie schaffte es auf die andere Seite.

Zum Glück bekam mein Sohn diesen Unfall nicht mit und marschierte unbekümmert weiter, bis Zauberkraft und Piratentum vereint waren und endlich das erste Haus betraten. Hier waren Hochhäuser am Weg und somit viele Türen in kürzester Zeit zu erreichen. Auch wenn bei den ersten Opfern die Stimmchen der fordernden beiden noch sehr zaghaft und mutlos waren, so füllte sich die Schatztruhe (in Form einer weißen Plastiktüte mit knallig bunten Punkten verziert) des Piraten recht zügig. Alle waren offen und bereit etwas zu geben. Anscheinend aber war wenig los, zumindest in den oberen Stockwerken waren wir häufig die ersten. „Ach heute ist ja Halloween, wartet, ich finde schon etwas“ oder ein älteres Ehepaar: „Wir kennen das nicht, was macht man da?“.

Auch auf einen sehr hilfsbereiten Genossen trafen die Kinder. Ein älterer Mann in einer Erdgeschosswohnung, der gleich all seine Mitmieter im Haus kurz charakterisierte und empfahl, eine kinderreiche Familie ganz oben auszrauben, aber die Frau über ihm auszulassen, da ginge zu viel Zeit drauf. Sie könne kaum noch laufen, bräuchte also ewig, bis sie die Türe geöffnet hätte und wenn sie dann nochmal in die Wohnung ginge, um Süßigkeiten zu holen, nee nee, das lasst mal lieber aus, Kinder.

Keine Tür wurde missmutig geöffnet, nur ganz wenige gar nicht und in einem der mehrstöckigen Häuser traten wir unten ein, besüßsten uns an der ersten Wohnung und hörten da schon ein geisterhaftes Rufen von oben: „Hiiiier, hiiiier sind die Geister, Kiiiiinder, kooooommt, hiiiier!“ Wir Erwachsenen mussten die sich unsicher umsehenden Kinder hier tatsächlich in den dritten Stock schubbsen, so dass die grauhaarige und grinsende Dame ihre Freude genießen konnte, und ihre Schokoladentafeln, die sie extra für heute besorgt hatte, an die beiden verteilte. Sehnsüchtig hatte sie gewartet, so schien es, und keiner kam zu ihr. Wie bestellt und nicht abgeholt stand sie am Treppengeländer und ließ ihre Stimme durch das Treppenhaus geistern.

Insgesamt ein schöner Abend, offenherzige und mitspielende Menschen. Nur der Heimweg versorgte mich nochmal mit Saurem. An der Stelle, an der uns zuvor die schwarze Katze begegnete sah ich schon von weitem ein schwarzes Knäul am Bordsteinrand unter einem geparkten Auto liegen. Sie fußstupsend war klar, dass sie hier nie mehr aufstehen würde, dass sie Opfer des Verkehrs wurde.

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