Russland und die „feigen“ Anschläge

Russland wird gerade durch (bisher) zwei kurz aufeinanderfolgende Anschläge in Wolgograd durchgerüttelt. Der erste Anschlag wurde am Sonntag, den 29.12.2013 verübt, als ein Selbstmordattentäter am Bahnhof mindestens 17 Personen in den Tod riss. Keine 24 Stunden später, am Montag, den 30.12., erfolgte in einem Linienbus in Wolgograd ein weiterer Selbstmordanschlag, der mindestens 14 Menschen tötete.

Berichte und Hintergründe darüber gibt es darüber genügend. Ich möchte auf ein Detail eingehen, welches mir bei den berichteten Informationen immer wieder begegnet und das ich nicht ganz verstehe. Ich stoße in den Verurteilungen immer wieder auf das Wort „feige“.

So hat laut diesem Bericht etwa der Präsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), Ranko Krivokapic, von einem „Akt der Feigheit und Unmenschlichkeit“ gesprochen. Auch Putin habe laut Radio beteuert, dass diese „feigen Täter“ gefasst werden würden. Aber nicht nur Politiker, auch Journalisten verwenden diese Formulierung häufig und in Kommentaren kommt es noch öfter vor.

Ich kann das nicht verstehen. Wenn ich jemandem etwas vorwerfe und dafür einen Begriff verwende, wie etwa hier die Feigheit, dann hätte ich implizit von ihm erwartet, das, was er getan hat, nicht auf diese Weise zu tun, wie es mein verwendeter Begriff bezeichnet.

Den Tätern wird unter anderem auch Unmenschlichkeit vorgeworfen. Hier kann ich mir einen sinnvollen Gedankenbogen spannen: Hätten diese Menschen, die die Anschläge verübt haben, Menschlichkeit als vordergründige Eigenschaft als ihr eigen, so hätten sie diese Tat nicht begangen. Passt, das Wort.

Dieser Bogen endet bei der Feigheit bei mir ganz wo anders: Hätten diese Menschen, die die Anschläge verübt haben, Mut bewiesen (oder was auch sonst anti-Feigheit sei), dann hätten sie kein Selbstmordattentag in still und heimlicher Vorbereitung begangen, sie hätten sich lauthals schreiend auf einen überfüllten Platz gestellt und hätten mit ihrem Maschinengewehr um sich geschossen, bis sie die Polizei überwältigt hätte.
Das ist es, was bei mir mitschwingt, wenn ich an so betont vordergründiger Stelle höre, dass Mördern Feigheit vorgeworfen wird.

Ein Clint Eastwood etwa allerdings, der in einem seiner Western ein face-to-face Duell als männlich, nicht feige und daher allein der Auseinandersetzung würdig darstellt, der hat seinen Sinn darin, dass der Western von diesem Bild des Helden lebt. Das ist aber hier in der Realität total fehl am Platz. So auch dieses Wort!

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