Kategorie-Archiv: gedankenläufig

Empirie hinterfragt

Ihr kennt diese typischen Fragen von Kindern ja sicher alle. Mein Sohn stellte neulich eine solche:
„Papa, kannst du bis 1 Million zählen?“
„Ja kann ich“
„Und bis 100 Millionen?“
„Das dauert bestimmt lange, aber ja, kann ich auch.“
„Und bis 1.000 Millionen möchte ich wissen?“ (Die Milliarde kennt er noch nicht so richtig)
„Bestimmt auch“

Er sah dann auf einmal etwas nachdenklich drein und fragte, ob das schon mal jemand gemacht hat. Ich meinte ich glaube wohl kaum, dass sich jemand die Zeit für ein schlichtes Zählen bis zu einer Milliarde ohne weiteren Grund nehmen wollte. Ich hätte da auch keine Lust meine Zeit so zu vergeuden. Das würde sicher Tage dauern, meinte ich. Hier hakte er wieder ein. „Wie viele Tage denn?“

Und da habe ich angefangen zu überlegen. Wie könnte ich das am besten berechnen? Ich habe mich für eine ungefähre Milchmädchenrechnung entschieden, denn Geduld ist auch nicht gerade seine größte Stärke. Ich habe gestoppt, wie lange ich zum Aussprechen einer sechstelligen Zahl brauche. Nagelt mich nicht fest, aber ich habe 173.226 ausgesprochen und die Stoppuhr hielt bei genau 2,0 Sekunden. Um bis zu einer Milliarde zu zählen, ist das im Schnitt eigentlich noch zu kurz angesetzt, ich weiß, denn viel mehr Zahlen sind länger, brauchen also mehr Zeit zum Aussprechen, als diese. Trotzdem, damit habe ich gerechnet, wohlwissend, dass man in Wirklichkeit länger brauchen wird, als mein Ergebnis aussagen wird.

Also los geht’s:
2 Sek x 1.000.000.000 = 2.000.000.000 Sek (bis hierher übrigens ohne Taschenrechner)
In Stunden ist das:
2.000.000.000 Sek / 60 / 60 = 555.555,5556 Std.
Ich gehe davon aus, dass kein Mensch länger als 8 Stunden pro Tag durchzählen können wird. Also steht das für so viele 8-Stunden-Tage:
555.555,5556 / 8= 69.444,44444 Tage
Spätestens hier wurde klar, worauf das hinausläuft. Denn in Jahre umgerechnet sind wir dann bei:
69.444,44444 / 365 = 190,26 Jahre

Dass dies immer noch optimistisch ist, ist denke ich auch klar. Nicht berücksichtigt bleiben Krankheitstage, Verzählen, sicher ab spätestens 10 Millionen auftretende psychische Störungen und bestimmt noch so einiges mehr.

Meine Aussage war also, dass man mindestens 190 Jahre braucht, um bis zu 1 Milliarde zu zählen. Das habe also sicher noch niemand gemacht, denn der älteste Mensch der Welt wurde so 120, warf er gleich ein. Sein Fazit: also gibt es niemanden, der bis 1 Milliarde zählen kann, du auch nicht!

Tja, da hatte er wohl recht. Auch die Behauptung, dass man wenigstens wüsste, wie es geht, wollte er jetzt nicht mehr gelten lassen, denn man kann es ja nicht ausprobieren. Ohne empirischen Beweis war jetzt kein Durchkommen mehr.

Ich bin jetzt auch schlauer, denn ich hätte bis dato durchaus gedacht, dass das theoretisch möglich ist. Ist es aber nun mal offensichtlich nicht, da unser kurzes Leben nicht ausreicht um bis zu 1 Milliarde zu zählen. Pah!

Gedanken zur Rente

Nach einem Gespräch mit meinem Bankberater und dem Hören des aktuellen Artikels der Zeit (‚Der große Rentenirrtum‘) habe ich mir – natürlich nicht zum ersten Mal – Gedanken über meine Rente und deren Vorsorge gemacht.

Es ist klar, dass wir, also diejenigen, die noch einige Jahre von dem Renteneintritt entfernt sind, zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat vorsorgen sollen. Da gibt es Riester, die betriebliche Altersvorsorge und wenn man noch ein kleines Gewerbe hat, die Basisrente, die ja eigentlich schon zum Standard gehören. Zum einen sind diese skalierbar, man kann also selbst entscheiden, wie viel (umso mehr umso besser) man monatlich beiträgt. Zum locken die Versicherungen natürlich mit noch vielen weiteren möglichkeiten. Eine Pflege-Zusatz-Versicherung, die auch in eine Rente umgewandelt werden kann, wäre ein Beispiel.

Ich halte mich für lediglich befriedigend ausgestattet in meiner Rentenvorsorge. Weiterlesen

Das Essen-Fax rückt näher, durch 3D-Drucker

Ich habe es ja schon hier prophezeit, das Essen-Fax sei gar nicht mehr sooo undenkbar. Und jetzt der Vormarsch des 3D-Druckers. Ich sage euch ich sage euch, es wird immer greifbarer. Aber mal langsam, denn wer schon mal etwas von 3D-Druckern gehört hat, der kann sich zurecht fragen, was das wohl mit Essen zu tun hat.

3D-Drucker werden ja bereits seit einiger Zeit in der Industrie eingesetzt. Er wird eingesetzt um alle möglichen Teile aus Kunststoff oder auch Metall in geringen Mengen herzustellen. Wenn also irgendwo eine spezielles Produkt benötigt wird, wozu nicht gleich ein ganzer Industriezweig bzw. Handelsweg umgekrempelt werden will, weil nur eine geringe Stückzahl benötigt wird, dann ist so ein Gerät perfekt.

Und hier fängt so langsam die Verbindung zu meiner Idee des Essen-Faxes an. Dieser 3D-Drucker benötigt nämlich zum Herstellen eines solchen Teiles nur die Information, wie es denn auszusehen hat. Details wie Materialzusammensetzung, Abmesunngen, Dicke, Abschrägung und natürlich noch vieles mehr. Dennoch bleibt es eine digitale Datei, die diese Informationen liefert und die man natürlich speichern und wiederverwenden kann. Was darüber hinaus selbstverständlich auch noch vorhanden sein muss sind die Grundsubstanzen, aus denen sich das Zielprodukt zusammensetzt. Also Metallpulver, Kunststoffgranulat usw.

Jetzt habe ich schon zwei mal zum Essen-Fax-Artikel verlinkt, ich hoffe, ihr habt ihn mittlerweile gelesen ;). Die beiden Prinzipien sind sich ja schon so gut wie identisch. Beide benötigen Grundsubstanz (im Falle des Essens hatte ich es eine Art ‚Ursuppe‘ genannt) und beide benötigen dazu nur noch die Informationen, die das Zielprodukt in Zusammensetzung und Form bestimmen. Der Rest, also das „Kochen“ oder „Zusammenschweißen“ stellt mit Sicherheit keine unüberwindbaren Herausforderungen mehr dar.

Was ich noch als Schwierigkeit beim Essen-Fax sehe, ist die Aufbewahrung des organischen Grundmaterials. Das ist natürlich nicht so einfach lagerbar wie etwa Metallpulver. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Man muss sich eben von der Idee der immer im Gerät befindlichen „Druckpatrone“ verabschieden.

Ja und was soll jetzt neu sein an dieser Sache, wenn es die 3D-Drucker doch schon eine Weile gibt? Neu, so etwa auch in zwei Artikeln der aktuellen Ausgabe der Zeit (41/2012 „Der Alles-Drucker“ & „Brrrt, ssst, fertig“) nachzulesen, ist, dass der 3D-Drucker seinen Weg in die Massentauglichkeit einschlägt. Es gibt bereits Exemplare, die unter 1.000,- Euro zu haben sind. Kleinere Betriebe oder Privatleute mit noch etwas Platz im Werkzeugschuppen könnten sich jetzt auch schon überlegen, ob sie sich nicht so einen Helfer anschaffen, der bei Bedarf mal eben ein u.U. sehr spezielles Werkzeug ausspuckt. Oder wenn mal schnell ein fehlender Schraubenschlüssel her muss und der Weg zum nächsten Baumarkt zu weit ist…

Ich denke, dass bei einer solchen Entwicklung der Sprung zu einem 3D-Drucker, der organisches Material verwendet und eben Essen herstellt, quasi zu meinem Essen-Fax, nur noch sehr klein ist. Bald kann man sich bis 5 Minuten vor dem Essen noch entscheiden, ob es denn türkische Pizza oder indisches Curry-Huhn werden soll oder eines der weiteren 5.000 Gerichte, die man auf der externen Festplatte gespeichert hat.

Was das für die Wirtschaft bedeutet, wenn diese 3D-Drucker wirklich massentauglich hergestellt werden, das ist ein anderes, großes Fass.

Castingshows brauchen keine Spannung

Der Hype ist ja nicht mehr ganz neu, kann aber doch immer wieder entfacht werden. Ob ein Pop- bzw. Superstar gesucht wird oder ein Top-Model, alle reißen sich drum. Nicht nur wir Zuschauer, natürlich auch die Sendungen vor und nach der jeweiligen Show berichten von den Hintergründen derer.

Was ich sehr interessant finde sind die jeweiligen Vorschauen auf die nächste Ausgabe. Die sollen natürlich neugierig machen, indem sie andeuten, dass etwas unglaubliches passieren wird, so dass der Fan sich jetzt schon sicher ist, die nächste Woche alles nur nicht diese Sendung links liegen zu lassen.

Doch die Taktik scheint in Wirklichkeit eine andere zu sein: Die Vorschau deutet nicht an, sie legt alles offen. Der kurioseste Moment, die heißeste Szene, der lauteste Streit wird mit all seinen Pointen bereits gezeigt! Das resultiert allerdings keineswegs in Desinteresse, nein! Der Zuschauer ist jetzt überzeugt von der Dramatik, die ihn in der nächsten Sendung erwarten wird, und muss das unbedingt sehen. Das zieht! Ich bin wirklich verblüfft, wie ausführlich Schlüsselszenen schon im Voraus gezeigt werden und wenn man dann die Sendung ansieht, merkt man, dass wirklich keine Steigerung zu der Szene aus der Vorschau mehr drin ist! Das wars! Ich wusste schon alles brisante vorher! Also ich bin da sehr gelangweilt, aber bin offensichtlich eine Ausnahme.

Eigenartiges Volk, diese Fernsehgucker hier!

Empfindungsfähig

Dieser Song, auf den ich soeben gestoßen bin, passt so unverschämt gut zu der in mir schlummernden Jahreswechselsentimentalität. Seis drum, sei er mir wieder ins Gedächtnis gerufen, der mir so vieles gezeigt hat, damals. Mit dem ich so vieles gelernt habe, mit dem ich so männlich und zugleich jungenhaft war, so schelmisch und so verantwortungsbewusst. Dem Leben bin ich mit ihm entronnen, um dieses darauf so freudig wieder in die Arme schließen zu können.

Schon acht Jahre habe ich meinen Freund nicht mehr gesehen, wir haben unsere Aufgaben füreinander erfüllt und leben jetzt in getrennten Welten. Nicht wirklich ohne einander zu haben, manchmal glaube ich sogar, halb er zu sein. Nur die neuen Schritte, die erlebe ich, ohne sie mit ihm teilen zu können. Doch genau so soll es sein.

Ein Tag, an dem er ein neues Kapitel in meinem Leben eingeläutet hat, ist ganz stark mit diesem Song verknüpft.


So wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und dazu die Freude an allem, was ihr bisher erlebt habt, woraus die Vorfreude auf alles noch kommende resultieren mag!

Jedes Wort eine Bedeutung?

Hat jede gedruckte Zeile in Zeitschriften eine Intention?

Das Time Magazin veröffentlicht auf einer seiner ersten Seiten in jeder Ausgabe Zahlen. Aussgekräftige Zahlen, die verwundern oder empören oder einfach unglaublich scheinen. Aus der aktuellen Ausgabe(June 9, 2008) möchte ich die beiden ersten Zahlen wiedergeben und einfach so stehen lassen. Die zweite Zahl ist es, die mich verwundert hat: wieso ist das so besonders? Wieso steht diese direkt neben einer Zahl wie der ersten? Sie – die zweite Zahl – ist eigentlich nichts besonderes, nicht verwunderlich, ein kleiner Fehler ist der deutschen Post passiert, der für Time anscheinend irgend eine übermittlungswünschende Aussage in sich birgt. Hm:

[zitat]
110
Number of Americans killed by tornados so far this year, making 2008 the U.S.’s deadliest storm year in a decade

20
Number of stamps inadvertently printed by German mail carrier Deutsche Post bearing the image of Adolf Hitler’s former deputy, Rudolf Hess

[zitat ende]

Flocken bestehen nicht lange

Großen Rummel gibt es derzeit um die kleine Eisbärdame im Nürnberger Tiergarten. Heute ist der erste Tag in der Öffentlichkeit, allerdings nur vor Medienvertretern und morgen werden dann die Normalbesucher zum ersten Mal Flocke live sehen können.

Die Tierschützer kritisieren eine Instrumentalisierung dieses kleinen Lebewesens. Es heißt, „Flocke wird als Projektionsfläche für nicht gelebte menschliche Gefühle benutzt, um Geld in die städtischen Kassen zu spülen„. Auch ich bin Tierfreund, allerdings sehe ich in dem großen Medieninteresse (was ja nichts anderes ist, als der verlängerte Wunsch unseres Interesses) den Schaden für Flocke nicht. Heute um 15:00 war es soweit, man konnte am TV sehen, was Flocke macht, wie sie sich bewegt, wie sie unbeeindruckt spielt und ausgelassen ist, während eine Hundertschaft von Fotografen, Reportern und Kameramännern am Gehege stehen: es kümmert Flocke nicht.

In der Pressekonferenz einige Stunden zuvor hat der Direktor des Tierparks nachvollziehbar erklärt, wie von deren Seite aus Flocke instrumentalisiert werden soll. Im Sinne des Klimawandels. Kurz zusammengefasst etwa so: Eisbären sind direkt betroffen. Es gibt Schätzungen, denen zuvolge in 50 Jahren keine Eisbären mehr in freier Wildbahn existieren werden, da deren territoriale Grundlage – Eis – schwinden wird. Allerdings will der Zoo nicht den Erhalt der Gattung schützen. Dafür bräuchte es keine Medien. Der Eisbär wird als gut einsetzbares Beispiel für die negativen Auswirkungen des Klimawandels gesehen. Zugute kommt dem, dass er als süß und herzerwärmend verkauft werden kann. Wenn es der Marketing-Abteilung des Tierparks gelingt, die Gefühle, die Flocke hervorruft, effektiv in diese Richtung zu lenken, dann bravo!

Aber ich kann es mir nicht vorstellen. Ich stehe weder hinter der Kritik der Tierschützer, noch glaube ich, dass die hochgesteckten Pläne des Tierparkes realistisch sind. Die Zeit, in der Flocke interessant ist, reicht gerade mal, um den ein oder anderen Babybody mit Flocke-Aufdruck zu verkaufen oder dem Tierpark eine vorübergehende Geldspritze zu verpassen (was ja auch sehr positiv – je nach Einsatz – sein kann). Aber eine langfristige Wirkung auf uns Verbraucher hat Flocke wohl kaum. Wer nicht jetzt schon beim Kauf von Auto oder anderen Haushaltsgeräten grün denkt, wer nicht jetzt schon danach trachtet, nicht unnötig verschwenderisch zu sein, der wird dies auch nicht wegen Flocke tun. Da halte ich es eher mit der Meinung von Medienwissenschaftlern, die sagen, Flocke erreiche seine gute Wirkung und seinen medialen Zuspruch in erster Linie deswegen, weil in der ganzen politisierten und ernsthaften Nachrichtenwelt eine Auflockerung gut tut, die einfach nur süß, schön, glücklich oder was auch immer positives ist.

So denn, schaut zu und freut euch des Lebens!

Über den ersten Auftritt Flockes
Interview mit dem Zoochef Dag Encke
Flockes Vermarktung
Die Situation der Eisbären

Tsunami Gedenken

Es ist jetzt drei Jahre her, dass diese große Flutwelle so viel Schaden angerichtet hat. Es sind natürlich auch viele weitere Katastrophen passiert, die sich immer wieder jähren, aber beim Tsunami regt sich immer ein wenig mehr in mir als bei vielen anderen.

Damals, 2004, war ich 6 Monate in Australien. Ende August flog ich nach Thailand und machte mir Gedanken über die nächsten Monate. Ich hatte beschlossen, mein Backpack-Jahr wiefolgt fortzusetzen: von Bangkok aus in den Norden Thailands, dann Laos im Norden durchqueren, in Vietnam von Nord nach Süd und dann Kambotscha um dann am Ende der großen Südostasienrunde im Süden Thailands an den schönen Traumstränden zu entspannen, bevor es wieder nach Deutschland zurückgehen sollte. Einen detaillierten Zeitplan hatte ich natürlich nicht, aber einige Monate hätte es gedauert. Hätte ich meine Meinung nicht geändert, wäre der Dezember ein sehr wahrscheinlicher Monat für meinen Südthailand-Aufenthalt gewesen.

Aber es kam anders. Als ich im Norden Thailands um Chinag Mai herum unterwegs war, merkte ich, dass meine Reiselust zur Neige ging und ich sowas wie Heimweh verspürte. Da beschloss ich, mich nochmal hier blicken zu lassen, wenn meine Reisebatterien wieder aufgeladen sein würden, was ich ja auch mittlerweile getan habe.

Dass die Flutwelle auch so recht ’nahe‘ war, merkte ich daran, dass ein Arbeitskollege dort seine Mutter verloren hat und auch ein Kollege meines Vaters mit seiner Frau verschwunden, noch immer vermisst ist. Und so gedenke auch ich und danke meinen leer gewordenen Reisebatterien…

Das ver-man-te Gesetz

Neulich Abends habe ich mich recht sinnleer von der Flimmerkiste im Wohnzimmer berieseln lassen. Ich verfolgte einen Bericht über eine Frau um die 50, die sich daran machte, ihre leibliche Mutter zu finden. Sie hatte im Schulalter bereits erfahren, dass sie adoptiert wurde und bisher noch keinen Versuch getan, ihre Eltern zu finden.

Unwichtig die Frage, die zwangsweise kommt: Wenn überhaupt, dann wieso erst jetzt. Entweder hat dies Hintergründe, die ich als Zuschauer nicht kenne und möglicherweise gar nicht kennen soll, aber bei der Verfilmung privater Schicksale bleiben ja gerne solche ‚vernünftigen‘ Fragen offen. Sinn oder Sinnlosigkeit solcher Sendungen will ich aber jetzt gar nicht hinterfragen.

Etwas anderes ist mir an dieser Frau aufgefallen, was ich auch aus meiner Umgebung kenne. Viele Menschen reden über sich in der verallgemeinerten ‚man‘-Form. Speziell bei ihr waren dies Antworten auf Fragen wie „hast du Angst vor dem Treffen?“, „bist du nervös, zittern deine Knie?“, „kannst du deine Mutter jetzt verstehen?“ usw. Sie sagte in etwa: „Man hat da schon eine große Ungewissheit…man schiebt sowas halt doch ganz schöne Zeit vor sich her…man bekommt nasse Handflächen…da werden einem die Knie doch auf einmal weich…nachdem, was sie erzählt hat, kann man das schon verstehen…

Wieso sagt sie nicht einfach ‚ich‘? Auch wenn mir das schon oft begegnet ist, so richtig darüber nachgedacht habe ich noch nie. Dadurch aber, dass diese Frau so extrem ver-man-t war, ist es wie von selbst deutlich geworden. Dadurch, dass sie die Einstellungen und Haltungen, die ja eigentlich ihre ganz persönlichen sind, verallgemeinert hat, hat sie sie quasi zu einem Gesetz gemacht. Sie ist sich so unsicher, möchte vielleicht nicht gerne hinterfragt werden, und macht genau dies dadurch dem Zuhörer schwerer. Wenn jemand sagt, dass man etwas halt so macht, dann bedarf es mehr Kraft, zu hinterfragen, als wenn in der ersten Person gesprochen wird.

Ich werde mich und andere genauer beobachten und schauen, ob ich noch andere Theorien finde. Bestimmt sind die meisten Menschen weder bewusste man-Sager noch bewusste man-Vermeider. Wo gehört ihr hin?

O jam

Ich frage mich: gibt es Menschen, die Orangenmarmelade mögen? Ich habe bisher noch keinen getroffen, keiner mag sie, jede(r) verabscheut sie. Aber: es muss sie geben, diese Spezies, denn hartnäckig wird dieses Produkt weiter und immer wieder verkauft.
Kennt jemand jemanden, der/die jemand ist oder jemand anderes kennt, der/die Orangenmarmelade mag?? Wäre interessant, das mal zu hören!