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Wegen mir is deinetwegen nur optional

Es war für mich bis vor einiger Zeit immer so natürlich, so wohlklingend selbstverständlich wenn ich „wegen dir“ sagte, hörte oder las. Jetzt wurde ich aber immer häufiger deswegen kritisiert und zurechtgewiesen. Zurecht auch, denn die Regeln der deutschen Grammatik sprechen eine klare Sprache. Zu ‚wegen‘ gehört nun mal der Genetiv und nicht der Dativ, so die Regel.

Doch mein Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, das wollte einfach nicht schwinden. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Gefühl am besten durch mein Verständnis über das Zustandekommen von grammatikalischen Regeln zu beschreiben ist.

Sprachliche Regeln entstanden historisch gesehen quasi von selbst. Nein nicht von selbst, sondern durch den Gebrauch der Sprache in Völkergruppen. Es gab ungeschriebene Übereinkünfte darüber, was korrekt und was falsch ist. Irgendwann wurde damit begonnen, diese Regeln festzuhalten und zu notieren. Das macht natürlich viel Sinn: damit kann man Verständnis schaffen, Menschen das Lernen fremder Sprachen erleichtern, man schafft Begriffe, mit denen man gezielter über Sprache selbst reden kann u.v.m.

Und da ist auch schon das Zentrum dessen, was mich nicht zur Ruhe kommen ließ: Was korrekt und was falsch ist, wird von den festgehaltenen grammatikalischen Regeln nicht bestimmt, sondern beschrieben. Festgelegt wurde und wird es von den Sprechern/-innen einer sprachlichen Gemeinde. So ist natürlich auch heute noch Sprache im Wandel und die Regularien werden regelmäßig angepasst. Es ergibt sich von selbst dass die Beschreibung der Konventionen des Sprachgebrauchs immer zeitlich der eigentlichen Entwicklung und damit dem aktuellen Stand hinterher hinken muss.

Ich habe auf den Seiten des Instituts für deutsche Sprache einen Artikel von Bruno Strecker gefunden, der mir aus der Seele spricht. Weiterlesen